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Das NEF-Format und Tipps zu ViewNX
Für viele Besitzer von DSLR-Kameras, die zuvor eine Kompaktkamera besessen haben, ist die Möglichkeit, Bilder im RAW-Format aufzunehmen, neu. Dieses Format bietet jedoch einige Vorteile.
Eine Nikon DSLR bietet zur Speicherung von RAW-Daten das NEF-Format an. Zur Bearbeitung wird standardmäßig ViewNX mitgeliefert, das in der neuen Version 2 stark erweitert wurde. Der folgende Artikel gibt Hinweise und Tipps zur Benutzung von ViewNX, die nicht im Handbuch stehen und erklärt, warum das NEF-Format und damit RAW-Dateien überhaupt oder ausschließlich verwendet werden sollten.
Was sind RAW-Dateien?
Der Sensor der Kamera besitzt einzelne Bildpunkte. Jeder Bildpunkt kann jedoch nur die Stärke des Lichts wiedergeben - nicht die Farbe. Deshalb gibt es Farbfilter vor dem Sensor, so dass bestimmte Bildpunkte nur auf Rot, andere nur auf Grün und wieder andere nur auf Blau ansprechen. Die Kamera-Firmware erzeugt aus diesen Sensor-Daten einzelne Bildpunkte in verschiedenen Farben und speichert sie im JPG-Format. Wenn die Kamera auf RAW-Format eingestellt wird, dann entfällt dieser Punkt. Statt dessen werden die Daten, die vom Sensor kommen direkt in einer Datei gespeichert.
RAW-Dateien sind also ein direkter Abzug der Daten des Bildsensors.
Warum sollte man RAW-Dateien verwenden?
Über RAW-Dateien wurde schon viel geschrieben. Der große Vorteil besteht darin, dass die Daten für die einzelnen Pixel mit mehr als 8 Bit abgespeichert werden. Das bietet mehr Spielraum, um Unter- und Überbelichtungen im Nachhinein zu korrigieren.
- Vorteil 1: Mehr Speichertiefe, bessere Korrekturmöglichkeiten.
Wenn man jedoch davon ausgeht, das der Fotograf und/oder die Kamera die Belichtung richtig einstellt, oder das der Fotograf eine falsche Belichtung in der Vorschau am Histogramm sofort erkennt und eine neue Aufnahme mit geänderter Belichtung macht, dann wirkt sich dieser Vorteil nur selten aus. Aber auch bei korrekter Belichtung ist eine höhere Bittiefe von Vorteil, wenn es um Korrekturen geht.
Dabei muss es nicht immer um Fehler wie Über- und Unterbelichtung gehen. Manche Parameter, wie Kontrast und Farbsättigung werden auch oft nach Geschmack bestimmt, ohne dass das eine richtig und das andere falsch wäre.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Einstellung der Bildoptimierung an der Kamera (Bei der D90 und anderen neueren Nikonmodellen im Menü "Aufnahme/Bildoptimierung konfigurieren"). Hier lassen sich die Einstellungen:
- SD - Standard
- NL - Neutral
- VI - Brillant
- MC - Monochrom
- PT - Porträt
- LS - Landschaft
vornehmen. Das Problem dabei ist, dass ich (und wahrscheinlich viele andere auch) nicht entscheiden kann, welche dieser Optimierungen die beste für eine bestimmte Situation ist. Hinzu kommt, dass jede dieser Einstellungen nochmals hinsichtlich Kontrast, Sättigung und Farbton optimiert werden kann. Es gibt also unendlich viele Möglichkeiten. Oft ist es sogar so, dass es gar nicht die optimale Einstellung gibt und dass man ein Bild am liebsten in zwei verschiedenen Einstellungen hätte: z.B. Landschaft und Monochrom
Wenn das JPG-Format verwendet wird, dann wird die JPG-Datei mit der aktuellen Einstellung der Bildoptimierung erzeugt. Sie läßt sich nicht mehr nach der Aufnahme ändern. Es besteht jedoch die Möglichkeit, eine weitere Aufnahme mit einer anderen Einstellung zu machen, wenn einem die Einstellung nicht gefällt. Dazu muss man jedoch erst einmal erkennen, dass einem die Einstellung nicht gefällt. Und das ist selbst auf dem guten Display der D90 nahezu unmöglich. Wenn man dann später am PC erkennt, dass für eine bestimmte Aufnahme die Einstellung VI Brillant ganz gut gewesen wäre, ist es zu spät für eine weitere Aufnahme.
Anders beim NEF-Format. Hier kann die Einstellung der Bildoptimierung später am PC bequem geändert werden. Man kann sehen, wie sich die verschiedenen Einstellungen auswirken und kann sich für die beste entscheiden. Es ist sogar möglich mehrere JPG-Dateien mit verschiedenen Einstellungen aus der NEF-Datei zu erzeugen. Da die Einstellung die RAW-Daten in der NEF-Datei nicht ändert, ist es möglich, die Einstellung, die gemacht wurde, jederzeit wieder zu ändern.
Das folgende Video zeigt wie es in ViewNX Version2 geht (Bitte anklicken):
Hier die Ergebnisse eines Bildes, das mit verschiedenen Konfigurationen als JPG umgewandelt wurde.

Viele JPG-Dateien aus einer NEF-Datei (Bitte Maus über den Text bewegen)
SD - Standard * NL - Neutral * VI - Brillant * MC - Monochrom * PT - Porträt * LS - Landschaft
Neben diesen Möglichkeiten gibt es noch viele weitere in ViewNX, die an der Kamera nicht zur Verfügung stehen: Kontrast, Helligkeit, Farbverstärkung, Ausrichung, ....
Die Hersteller von Kameras preisen zwar die Bildbearbeitungsmöglichkeiten von neuen Kameramodellen als exklusive Neuerung an. Jedoch mittels Bildbearbeitung auf einem 3 Zoll Monitor mit wenigen Tasten ein gutes Bild zu erstellen, ist wie das Grillen eines Steaks mit einem Feuerzeug.
- Vorteil 2: Die Bildoptimierung wird auf den PC verlagert
- Es können mehrere Möglichkeiten mit verschiedenen Einstellungen ausprobiert werden.
- Es gibt mehr Möglichkeiten zur Einstellung als an der Kamera.
- Es steht ein großer Monitor, eine Maus und eine Tastatur zur Verfügung.
- Die Einstellungen können jederzeit wieder rückgängig gemacht werden.
- Man hat mehr Zeit und Ruhe, als am Ort der Aufnahme.
Auf der anderen Seite bedeutet die Verwendung des NEF-Formats (oder des RAW-Formats bei anderen Kameras) nicht, das man alle Bilder auch bearbeiten muss. Aus einer NEF-Datei lässt sich mit wenig Mühe eine JPG-Datei erzeugen, die der aus der Kamera gleich kommt. Die Verwendung des NEF-Formats ermöglicht eine optimale Bildbearbeitung - sie erzwingt sie nicht.
So gesehen ist die Datei im NEF-Format (oder allgemein das RAW-Format), das was bei der analogen Fotografie das Negativ war. Früher wäre keiner auf die Idee gekommen, die Negative sofort wegzuwerfen, sobald er den Abzug in den Händen hat. Heute sind die Kameras aber standardmäßig so eingestellt. Sie lesen die Daten vom Sensor (das Negativ), erzeugen daraus eine JPG-Datei (der Abzug) und löschen das Negativ.
Eine NEF-Datei sollte auf keinen Fall gelöscht werden, nachdem ein JPG-Dateien daraus erzeugt hat. Die Software zur Umwandlung von NEF-Dateien (und RAW Dateien im allgemeinen) für PCs wird immer weiter verbessert. Jedoch die Firmware - besonders in älteren Kameramodellen - erfährt selten ein Update. So können beispielsweise die neuen Bildoptimierungen, die in ViewNX enthalten sind auch auf die NEF-Dateien meiner alten D50 angewendet werden. Aber auch mit anderen RAW-Konvertern, die immer weiter verbessert werden, lassen sich die Dateien bearbeiten.
- Vorteil 3: Die Bildoptimierung auf dem PC ist vielfältiger und wird immer weiter verbessert.